Steuertipp vom 05.02.2014

Umsatzsteuerpflicht beim Verkauf auf eBay & Co.

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Ob jemand als Privatverkäufer gilt, entscheidet die Gesamtbetrachtung des jeweiligen Auftretens.
Wer als Unternehmer 17.500 Euro umsetzt, wird umsatzsteuerpflichtig. Das dürfte einige Verkäufer auf eBay und anderen Verkaufsplattformen im Internet betreffen, obwohl sie sich als Privatverkäufer sehen. Denn für die Umsatzsteuer kommt es nicht darauf an, dass man die angebotenen Artikel zuvor nicht erworben hatte, um sie wieder zu verkaufen. So können sich auch eBay-Verkäufer, die beim Trennen von Hausrat oder Sammlung noch etwas Geld verdienen wollten. plötzlich mit dem Finanzamt konfrontiert sehen.

Kleinunternehmer umsatzsteuerbefreit

Allzu eifrigen eBay-Anbietern droht die Umsatzsteuerpflicht. Nur wer mit seinen Verkäufen unter der Umsatzschwelle zuzüglich der darauf entfallenden Steuer von 17.500 Euro pro Jahr liegt, gilt als sogenannter Kleinunternehmer. Der Umsatz im laufenden Jahr darf zudem die voraussichtlichen Umsätze von 50.000 Euro nicht übersteigen. Nur dann entfällt die Pflicht, Umsatzsteuer voranmelden und abführen zu müssen. Unternehmer ist dabei jedermann, der gewerblich oder beruflich selbständig tätig wird. Entscheidend ist, ob die nachhaltig zur Einnahmeerzielung erfolgt. Auf eine Gewinnabsicht kommt es dagegen nicht an.

Wiederverkaufsabsicht ist nur ein Kriterium

Ein Ehepaar hatte in der Zeit von 2003 bis 2005 über tausend Artikel bei eBay versteigert. Darunter viele wertvolle Gegenstände wie Briefmarken, Füller, Porzellan und Uhren. Dabei erlösten sie in den Jahren 2002 bis 2004 jährlich mehr als 20.000 Euro, im Jahr 2005 sogar annähernd 35.000 Euro. Das Finanzamt erfuhr davon und forderte nach einer Steuerprüfung neben der Einkommensteuer die Nachzahlung von knapp 11.500 Euro Umsatzsteuer. Dagegen klagten die Anbieter durch die Instanzen. Am Ende entschied der Bundesfinanzhof (BFH). Aus Sicht der Kläger war keine Umsatzsteuerpflicht gegeben. Sie seien Privatverkäufer. Nachhaltig war ihre Betätigung in keiner Weise. Sie machten keine Werbung. Verkäufe erfolgten nicht an jedem Tag. Die BFH-Urteile zum Verkauf von Briefmarken- und Münzsammlungen seien auf ihren Fall übertragbar. Alle Artikel seien zudem im Laufe der Jahre ohne Wiederverkaufsabsicht in ihren Besitz gelangt, also reines Privatvermögen gewesen. Für die Richter reichte das nicht. Die Wiederverkaufsabsicht sei nicht alleinentscheidend.

Objektives Verhalten spricht für Unternehmereigenschaft

Ob jemand Unternehmer ist, zeigt nur die Gesamtbetrachtung. Länge und Umfang der Betätigung, Entgelthöhe, Marktbeteiligung, Umsätze, geplantes Vorgehen und Geschäftsräume sprechen dafür. Anders als bei einer Briefmarken- oder Münzsammlung stünden hier 36 verschiedene Produkte und entsprechend viele Sammlungen plus zusätzlicher Einzelartikel im Raum. Die BFH-Urteile zum Verkauf wertvoller Sammlungen gelten zudem nur, wenn ein Anbieter sich nicht wie ein Händler verhalte. Entscheidend sei dabei nicht die eigene Sicht, sondern die eines objektiven Dritten. Die Eheleute hätten vorher stets den Wert des Gegenstands abgewogen, die Auktionen entsprechend gestaltet, überwacht und beobachtet, wann das Geld eingehe, um rechtzeitig zu versenden. Damit liege eindeutig eine unternehmerische, nachhaltige Tätigkeit vor, die ab Überschreiten der Umsatzgrenze zur Steuerpflicht führe.

(BFH, Urteil v. 26.04.2012, Az.: V R 2/11)

(GUE)

Foto: ©Fotolia.com/Internet Auctions

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