Steuertipp vom 11.05.2017

Steuertipps zur Steuererklärung – Teil 1

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Die Steuererklärung ist bis 31. Mai abzugeben – aber nicht immer.

Den Mai beginnen viele fröhlich feiernd bei Maifeuer, Maibaum oder Tanz in den Mai und beenden ihn frustriert. Denn am 31. Mai endet die alljährliche Abgabefrist für die Einkommensteuererklärung. Bis zum Stichtag geben wir Ihnen daher Tipps, damit die lästige Pflicht leichter fällt. Den ersten gibt’s gleich in der Einleitung: Wer die Steuererklärung einem Steuerberater überlässt, gewinnt nicht nur Zeit, weil das Erstellen der Erklärung entfällt. Auch die Abgabefrist verlängert sich dadurch vom 31. Mai auf den 31. Dezember.

Elster-Eingabe vergessen

Ein Mann ließ seine Steuererklärung von einem Steuerberater anfertigen und dieser sendete die Steuererklärung schließlich per Elster an das zuständige Finanzamt (FA). Dabei vergaß er allerdings das Feld mit der Angabe des Verlustvortrags i. H. v. 209.195 Euro auszufüllen, was dazu führte, dass der Mann einen fehlerhaften Verlustfeststellungsbescheid erhielt.

Nachdem das FA die nachträgliche Berücksichtigung des Verlusts ablehnte, erhob der Mann Klage beim zuständigen Finanzgericht (FG) – zunächst ohne Erfolg. Die Richter entschieden, dass zwar nicht der Mann selbst, wohl aber sein Steuerberater gem. § 173 Abs. 1 Nr. 2 Abgabenordnung (AO) grob fahrlässig gehandelt hat, indem er vergessen hat, das entsprechende Feld auszufüllen, und diese grobe Fahrlässigkeit muss sich der Steuerpflichtige zurechnen lassen.

Die Revision des Mannes beim Bundesfinanzhof (BFH) in München war dann aber erfolgreich. Die Richter erklärten, dass ein grobes Verschulden gegeben ist, wenn entweder Vorsatz oder grobe Fahrlässigkeit vorliegt. Für die Feststellung grober Fahrlässigkeit muss der Steuerpflichtige die ihm zumutbare Sorgfalt in ungewöhnlich hohem Maße und in nicht entschuldbarer Weise verletzt haben. Weiterhin muss er sich das Verschulden seines Steuerberaters zurechnen lassen. Der Begriff des groben Verschuldens nach § 173 Abs. 1 Nr. 2 AO ist bei Steuererklärungen in elektronischer Form genauso auszulegen wie bei solchen in Papierform. Allerdings ist dabei zu beachten, dass grundsätzlich das FA die Beweislast für grobes Verschulden trägt.

Im vorliegenden Fall kam es durch den Steuerberater zu einem unbewussten Fehler – er hat vergessen, ein Feld mit einer Zahl zu füllen. Eine solche Nachlässigkeit kann leicht vorkommen und ist auch bei sorgfältiger Arbeit nicht immer zu vermeiden. Aus diesem Grund darf keine grobe Fahrlässigkeit angenommen werden.

Die ausführliche Darstellung finden Sie hier.

(BFH, Urteil v. 10.02.2015, IX R 18/14)

(WEI)

Rentner und trotzdem Steuererklärung?

Immer mehr Rentner müssen eine Steuererklärung abgeben. Dafür sorgt neben einer Rentenerhöhung wie im Juni 2016 vor allem das Alterseinkünftegesetz. Beiträge zur Altersvorsorge lassen sich danach zunehmend steuermindernd geltend machen. Andererseits muss dafür jeder neue Rentnerjahrgang einen höheren Anteil der Rente als Einkommen versteuern. So trifft immer mehr Rentner die Steuerpflicht.

Wer 2016 in Rente ging, muss danach 72 Prozent seiner Rente versteuern. Für den Rentnerjahrgang 2017 zählen bereits 74 Prozent der Rente als steuerpflichtiges Einkommen. 2018 sind es dann 76 Prozent. Der jeweils andere Anteil – 28, 26 bzw. 24 Prozent – bleibt als sogenannter Rentenfreibetrag steuerfrei. Diese Entwicklung geht so weiter bis zum Jahr 2040. Alle, die dann oder später in Ruhestand gehen, müssen ihre Rente voll versteuern. Einen Rentenfreibetrag gibt’s nicht mehr. Der steuerpflichtige Anteil eines Rentnerjahrgangs bleibt dabei auf Dauer gleich. Die 72 Prozent des Rentnerjahrgangs 2016 stehen so z. B. bis ans Lebensende fest.

Wie kommt es zur Steuerpflicht für Rentner? Ein Beispiel: Bei einer Jahresrente von 12.000 Euro und einem Anteil von 72 Prozent sind 3360 Euro (=0,28*12.000) steuerfrei. Der Rest in Höhe von 8640 Euro (=0,72*12.000) ist steuerpflichtig. 8640 Euro liegen knapp unter dem für 2016 geltenden Grundfreibetrag von 8652 Euro für Alleinstehende. Einkommen bis zu dieser Höhe ist nicht einkommensteuerpflichtig. Für Verheiratete und eingetragene Lebenspartner beträgt der Grundfreibetrag das Doppelte und damit 17.304 Euro. Gemeinsames Einkommen bis zu dieser Höhe bleibt für sie steuerfrei. Allerdings ist zu beachten, dass es neben der gesetzlichen Rente auch weitere steuerpflichtige Einkünfte gibt. Sogenannte Nebeneinkünfte sind z. B. Miet- und Pachteinkünfte, eine private Rente (z. B. Riester bzw. Rürup) oder Geld für eine selbstständig ausgeübte Arbeit, die man im Alter ausübt. Überschreiten diese Nebeneinkünfte 410 Euro im Jahr, ist immer eine Steuererklärung abzugeben – auch wenn die Einkünfte insgesamt unter dem Grundfreibetrag liegen. Nur wer unter dem Grundfreibetrag liegt, muss danach keine Steuererklärung abgeben.

Wie das Finanzamt Kenntnis von Einkünften im Alter erlangt und was tun, wenn es eine Steuererklärung verlangt, das lesen Sie hier.

(GUE)

Steuerberatungskosten müssen beruflich veranlasst sein

Wer sich nicht selbst mit der Einkommensteuererklärung „herumschlagen“ möchte, kann seine gesammelten Belege und Unterlagen an den Steuerberater seines Vertrauens übergeben, der dann die Einkommensermittlung übernimmt. Die Kosten für den Steuerberater können dann ebenfalls von der Steuer abgesetzt werden – entweder als Betriebsausgaben oder als Werbungskosten. Das gilt aber nur, falls die Steuerberaterkosten einkünftebezogen entstanden sind, also durch eine der sieben Einkunftsarten – das wären z. B. Einkünfte aus Gewerbebetrieb oder nichtselbstständiger Arbeit – veranlasst worden sind.

Soll der Steuerberater aber z. B. auch noch die Einkommensteuererklärung für den Steuerzahler ausfüllen oder ihm etwas zum Kindergeld erklären, können die in diesem Rahmen entstehenden Kosten nicht von der Steuer abgezogen werden – auch nicht als Sonderausgaben. Sie stellen dann nämlich privat veranlasste Steuerberaterkosten dar – schließlich gehört etwa das Erstellen bzw. das Ausfüllen der Steuererklärung zur privaten Lebensführung und ist damit „Privatvergnügen“. Eine berufliche Veranlassung ist nicht ersichtlich. Das Ausfüllen der Steuererklärung durch einen Steuerberater kann nicht zu einem anderen Ergebnis führen.

Lesen Sie hier mehr zu diesem Thema.

(BFH, Urteil v. 16.02.2011, Az.: X R 10/10)

(VOI)

Hier geht's zu Teil 2 mit Steuertipps zur Abgabe der Steuererklärung.

Foto: ©Fotolia.com/JiSign

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