Steuertipp vom 01.06.2017

Kassenarztzulassung als absetzbares Wirtschaftsgut?

Wirtschaftsgut, absetzbares, Kassenarztzulassung
Vor dem Ruhestand verkaufen viele Ärzte ihre Praxen.

Wer eine bestehende Arztpraxis kauft, übernimmt oft nicht nur Ausstattung, Räumlichkeiten und den Patientenstamm, sondern auch die Vertragsarztzulassung. Durch diese lassen sich Honorare erst mit den gesetzlichen Krankenversicherungen abrechnen. In laut Statistik „überversorgten“ Gebieten ist eine solche Zulassung ansonsten nur schwer zu bekommen, weshalb dafür mitunter hohe Summen gezahlt werden.

Da fragt sich der Käufer natürlich, ob er seine Ausgaben im Rahmen einer Absetzung für Abnutzung (AfA) geltend machen kann. Der Bundesfinanzhof (BFH) hat das nun in einem Fall bestätigt, in einem anderen jedoch abgelehnt.

Praxiswert und Vertragsarztzulassung untrennbar verbunden

Glück hatte eine fachärztliche Gemeinschaftspraxis, die von einem Kassenarzt dessen Praxis mit Patientenarchiv und auch einige Mitarbeiter übernommen hatte. Der BFH entschied, dass in diesem Fall ein sogenanntes „Chancenpaket“ erworben wurde, für das eine AfA-Berechtigung besteht.

Der Käufer hatte mehr als den per Gutachten ermittelten Verkehrswert der Praxis gezahlt, wobei der Vorteil der Kassenzulassung untrennbar im Praxiswert als abschreibungsfähiges Wirtschaftsgut enthalten war, entschieden die Richter.

Nachdem der Praxiswert als solcher abschreibungsfähig ist, war es damit automatisch auch der wirtschaftliche Wert der integrierten Zulassung, am Vertragsarztsystem der gesetzlichen Krankenkassen teilzunehmen.

Zulassung allein ist kein abnutzbares Wirtschaftsgut

Dagegen verneinte der BFH die AfA-Berechtigung in einem anderen Fall. Dort ging es dem Käufer wohl einzig um die Kassenarztzulassung. An der übrigen Praxis hatte er wohl kein Interesse – weder am Patientenstamm noch an der sonstigen Ausstattung.

Allein die unbefristete Zulassung als Vertragsarzt nutzt sich grundsätzlich nicht ab und ist damit auch kein abschreibungsfähiges Wirtschaftsgut. Ein Chancenpaket, das in seiner Gesamtheit eine AfA ermöglichen würde, lag hier – anders als im vorher geschilderten Fall – nicht vor, weil es eben nicht um ein Gesamtpaket, sondern nur um die Zulassung ging.

(BFH, Urteile v. 21.2.2017, Az.: VIII R 7/14 und VIII R 56/14)

(ADS)

Foto: ©iStockphoto.com

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