Steuertipp vom 25.04.2017

Häusliches Arbeitszimmer bei Selbstständigen leichter von der Steuer absetzbar

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Der BFH hat die steuerliche Absetzbarkeit vom häuslichen Arbeitszimmer erleichtert.
 

Obwohl die Regelungen zur steuerlichen Behandlung von häuslichen Arbeitszimmern auf den ersten Blick eindeutig erscheinen, landet das Büro in den eigenen vier Wänden immer wieder vor den Finanzgerichten. Nach der Grundregel dürfen die Kosten für ein häusliches Arbeitszimmer nur dann steuerlich geltend gemacht werden, wenn es keinen anderen Arbeitsplatz gibt. Mit der Frage, wann ein solch „anderer Arbeitsplatz“ für die Erledigung von Büroarbeiten zur Verfügung steht, musste sich nun der Bundesfinanzhof (BFH) auseinandersetzen.

Abzugsverbot oder Ausnahme?

In dem zugrunde liegenden Fall stritten sich ein Logopäde und sein Finanzamt über die Absetzbarkeit des häuslichen Arbeitszimmers. Der Logopäde wollte die Kosten seines heimischen Büros teilweise als Betriebskosten von der Steuer absetzen, weil er in seiner Praxis für einen Teil der Büroarbeiten keinen Arbeitsplatz hätte. Da die Praxisräume des Logopäden aber unter anderem mit Schreibtischen, Computern und Aktenschränken ausgestattet waren, ließ das Finanzamt diese Argumentation nicht gelten, sondern vertrat vielmehr die Auffassung, dass die Ausnahmeregelung gerade nicht greift. Stattdessen gelte das generelle Abzugsverbot, weil der Logopäde die anfallenden Büro- und Verwaltungsarbeiten auch nach den üblichen Öffnungszeiten in den Räumlichkeiten der Praxis hätte erledigen können.

Der alternative Arbeitsplatz im Betrieb muss zumutbar sein

Die Argumentation des Finanzamts hielt weder vor dem Finanzgericht (FG) des Landes Sachsen-Anhalt noch vor dem BFH stand. Beide Gerichte stellten explizit fest, dass nicht jeder Schreibtisch für alle anfallenden betrieblichen Arbeiten geeignet sei. Der Logopäde war zumindest für einen Teil seiner Büroarbeiten auf seinen häuslichen Arbeitsplatz angewiesen. Einerseits waren die notwendigen Aufgaben im Bereich der Organisation und Verwaltung der Praxis so umfangreich, dass sie dem Logopäden nicht am Abend bzw. Wochenende zugemutet werden konnten, und andererseits durften seine Angestellten aus datenschutzrechtlichen Gründen nicht auf alle Informationen zugreifen. Deshalb stellten sowohl das FG als auch der BFH in diesem Fall fest, dass der selbstständige Logopäde trotz der Ausstattung der Praxisräume mit Schreibtischen einen Teil seiner Büroarbeiten nur zu Hause erledigen konnte. Die Schreibtische in den Praxisräumen stellten daher keinen anderen Arbeitsplatz im Sinne des Einkommensteuergesetzes (EStG) dar, sodass das Abzugsverbot für den Logopäden nicht galt. Er durfte daher die Aufwendungen für sein häusliches Arbeitszimmer trotz der im Betrieb vorhandenen Schreibtische bis zu einem Betrag von 1250 Euro von der Steuer absetzen.

Damit hat der BFH die Hürden für die steuerliche Absetzbarkeit des häuslichen Arbeitszimmers für Selbstständige deutlich herabgesetzt, denn die Ausnahme vom Abzugsverbot gilt nicht nur dann, wenn im Betrieb gar kein alternativer Arbeitsplatz vorhanden ist, sondern auch dann, wenn ein bestehender Schreibtisch für die Erledigung der Büroarbeiten unzumutbar ist. Die Frage, ob der Arbeitsplatz zumutbar ist oder nicht, muss immer im Einzelfall entschieden werden. Wichtige Anhaltspunkte können aber die Größe, Lage und Ausstattung des Arbeitsplatzes, die Ausgestaltung der Betriebsräume, die Verfügbarkeit des Arbeitsplatzes oder die Möglichkeit der Einrichtung eines außerhäuslichen Arbeitsplatzes sein.

(BFH, Urteil v. 22.02.2017, Az.: III R 9/16)

(THE)

Foto: ©Fotolia.com/baranq

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