Steuertipp vom 03.08.2017

Gewerblich tätig trotz freien Berufes

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Freiberufler können plötzlich als Gewerbetreibende gelten.
Gewerblich oder freiberuflich arbeiten - beides heißt selbstständig tätig zu sein. Danach hören die Gemeinsamkeiten aber schnell auf. Der Gewerbetreibende zahlt Einkommensteuer auf seine Einkünfte aus Gewerbebetrieb. Liegen diese über dem Freibetrag von 24.500 Euro, ist auch Gewerbesteuer fällig. Zur Vermeidung einer Doppelbesteuerung wird diese jedoch ortsabhängig teilweise bis ganz auf die Einkommensteuer angerechnet.

Der Freiberufler zahlt dagegen nur Einkommensteuer auf sein Einkommen aus selbständiger Tätigkeit. Er muss kein Gewerbe anmelden, ist kein Pflichtmitglied in der IHK, muss keine doppelte Buchführung betreiben und unterliegt keiner Bilanzierungspflicht. Stattdessen reicht eine Einnahme-Überschuss-Rechnung (EÜR). Eine Handelsregistereintragung entfällt, auch die Gewerbesteuer betrifft ihn scheinbar nicht. Doch es gibt Fälle, in denen auch Freiberufler als gewerblich tätig gelten und sie der Gewerbesteuer unterliegen.

GmbH und AG gelten automatisch als Gewerbebetrieb

Gründen Freiberufler zur Zusammenarbeit eine Gesellschaft mit beschränkter Haftung (GmbH) oder eine Aktiengesellschaft (AG), werden sie gewerbesteuerpflichtig. Denn als Kapitalgesellschaften sind sie laut Gesetz automatisch Gewerbebetriebe. Als solche genießen sie zudem keinen Gewerbesteuerfreibetrag. Den erhalten nur Personengesellschaften wie beispielsweise eine GmbH & Co. KG, OHG, GbR, KG und die Partnerschaftsgesellschaft oder gewerbliche Einzelunternehmer. Neben der Gewerbesteuer verschwinden auch die übrigen bereits genannten Vorteile eines Freien Berufes. Dem stehen natürlich andere Vorteile wie die Haftungsbegrenzung gegenüber.

GbR oder Partnerschaftsgesellschaft - Vorsicht bei gemischter Tätigkeit

Die Gesellschaft bürgerlichen Rechts (GbR) und Partnerschaftsgesellschaft zahlen keine Gewerbesteuer, allerdings nur solange alle Gesellschafter freiberuflich tätig sind. Erzielt aber nur einer von ihnen gewerbliche Einkünfte, führt das die Gewerbesteuerpflicht herbei. Das Gewerbe färbt sozusagen auf die freiberuflich tätigen Mitgesellschafter ab. Alle Einkünfte gelten fortan als gewerblich. Eine Ausnahme besteht nur, wenn keine gemischte Tätigkeit vorliegt. Das heißt, gewerbliche und freiberufliche Tätigkeiten dürfen sich nicht gegenseitig ergänzen. Zwischen ihnen darf kein unauflösbarer sachlicher und wirtschaftlicher Zusammenhang bestehen. Sonst kann nach der Abfärberegelung selbst die für bestimmte Freie Berufe gedachte Partnergesellschaft plötzlich ein Gewerbe darstellen. Nicht zuletzt kann auf diese Weise auch ein allein arbeitender Freiberufler zum Gewerbetreibenden werden - wenn ein EDV-Berater beispielsweise nun hauptsächlich Software vertreibt. Die Entscheidung darüber trifft das Finanzamt.

(GUE)

Foto: ©iStockphoto.com/STEEX

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