Steuertipp vom 18.04.2017

Dienstreise oder privater Urlaub?

Urlaub, privater, Dienstreise
Geschäftliches und Privates vermischt sich oftmals auf Reisen.

Beruf und Privatleben verschmelzen in vielen Fällen immer mehr. Das betrifft auch Reisen, die vielleicht einen geschäftlichen Anlass haben, aber darüber hinaus auch der privaten Erholung dienen.

Betriebsausgaben für Geschäftsreisen

Werden Arbeitnehmer von ihrem Chef auf Dienstreise geschickt, bekommen sie die notwendigen Kosten in der Regel vollständig ersetzt. Sollte das ausnahmsweise nicht der Fall sein, können sie ihre beruflich veranlassten Reisekosten als Werbungskosten in der Steuererklärung angegeben.

Reist der Unternehmer selbst oder erstattet er seinen Mitarbeitern entsprechende Kosten, sind das für ihn Betriebsausgaben, jedenfalls soweit sie geschäftlich veranlasst sind.

Aufteilung nach objektivem Maßstab

Spannend wird es, wenn die betriebliche Veranlassung fraglich ist oder nicht für die gesamte Reise vorliegt. Seit einer Entscheidung des Bundesfinanzhofs (BFH, Beschluss v. 21.09.2009, Az.: GrS 1/06) aus dem Jahr 2009 können auch die Kosten für gemischt veranlasste Reisen teilweise als Werbungskosten bzw. Betriebsausgaben abgezogen werden, wenn es einen objektiven Aufteilungsmaßstab gibt.

Nimmt ein Geschäftsreisender beispielsweise an einer zweitägigen Fachtagung teil und bleibt anschließend aus privaten Gründen noch einen weiteren Tag dort, war seine erste Übernachtung geschäftlich und die zweite privat veranlasst.

Dementsprechend sind auch nur die Kosten für eine Übernachtung abzugsfähig. Von den Fahrtkosten können 2/3 steuerlich geltend gemacht werden, denn schließlich war der Betroffene zwei Tage geschäftlich und einen Tag privat unterwegs.

Vermischung von Beruf und Privatleben

Was noch als geschäftlich gilt und wo das Privatleben anfängt, ist nicht immer leicht zu bestimmen. Ein angehender Sportmediziner hatte beispielsweise an einer Fortbildungswoche teilgenommen. Vor Ort am Gardasee fanden am frühen Morgen und späten Nachmittag jeweils anerkannte sportmedizinische Kurse statt.

Dazwischen konnten die Teilnehmer verschiedenen Sportarten, unter anderem Biken, Bergsteigen, Segeln und Tennis nachgehen. Trotz einem gewissen Bezug zur Sportmedizin rechnete der BFH die Ausübung der auch allgemein verbreiteten Sportarten dem Privatleben zu.

Nachdem die Kurs- und Sportzeiten jeweils die Hälfte des Tages ausmachten, bekam der Mediziner am Ende auch nur die Hälfte seiner Reisekosten als Werbungskosten anerkannt (BFH, Urteil v. 21.04.2010, Az.: VI R 5/07).

(ADS)

Foto: ©Fotolia.com/leszekglasner

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